Wiener Linien: Wie aus einer Echthaarperücke ein Dread-Haarteil wurde

Laut Layout trug das Model Dreads – eine Frisur, die sich am Set nicht einfach so machen lässt. Ich habe dafür eine Echthaarperücke aus meinem eigenen Fundus zerlegt und daraus ein Dread-Haarteil gebaut, Strähne für Strähne gedreht, fixiert und präpariert. Die Zeit dafür war knapp: Die Freigabe kam erst am Tag vor dem Shooting.

Foto/ Werbung

Projekt: Plakatkampagne der Wiener Linien für Respekt und Toleranz in den Öffis, 2018

Kunde: Wiener Linien

Agentur: Wien Nord

Auftraggeber: Arnd Ötting (Fotograf)

Meine Rolle: Make-up und Hair für drei Sujets

Bereich: Fotoshooting / Advertising, Werbekampagne

Umfang: drei Sujets für Plakatwerbung und Print; für eines davon ein Dread-Haarteil aus einer zerlegten Echthaarperücke, 8 Stunden Handarbeit

Herausforderung: eine Dread-Frisur laut Layout, die sich am Set nicht machen lässt. Freigabe dafür erst am Tag vor dem Shooting

Das Ergebnis: Haarteil aus dem eigenen Fundus, Look pünktlich am Set, alle zufrieden; ab November 2018 auf Plakatwänden in ganz Wien und in Zeitungen

Kampagnen Sujet Foto: Arnd Ötting

Die Ausgangslage & Herausforderung

In der Werbung läuft es meistens so: Die Agentur plant und schlägt vor, der Kunde gibt frei, und ich bekomme ein Layout, nach dem ich den Look umsetze.

2018 hat die Agentur Wien Nord für die Wiener Linien eine Kampagne zum Miteinander in den Öffis entwickelt. Auf drei Sujets sitzen Menschen nebeneinander, die man sich eher nicht zusammen vorstellt – ausgerechnet ein Austria- und ein Rapid-Fan teilen sich eine Sitzreihe. Alt neben jung und rotzfrech neben gediegen.

Gebucht hat mich der Fotograf Arnd Ötting, mit dem ich sehr viel arbeite. Ich war für Make-up und Hairstyling bei allen drei Sujets zuständig.

Zwei Sujets waren für mich Make-up Business as usual.

Das dritte nicht: Laut Layout trug das Model Dreads. So eine Frisur ist am Set weder in 5 noch in 10 oder 30 Minuten machbar, sie muss als Haarteil vorbereitet werden.
Im Idealfall habe ich rund eine Woche Vorlauf für Material-Besorgung und Anfertigung.

Die Freigabe für genau diesen Look kam spät. Sehr spät. Nämlich erst am Tag direkt vor dem Shooting. Das kommt in der Werbung vor, wenn sich Agentur und Kunde länger abstimmen. Das Model war gebucht, der Termin stand – Material besorgen war damit keine Option mehr.

Layout Agentur Wien Nord

Der Lösungsansatz

Die Lösungswege laufen schon im Kopf

Sobald ich eine Aufgabenstellung höre, geht mein inneres MUA-Auge und -Hirn sofort die möglichen Lösungswege durch.

Dass diese Frisur auf mich zukommen könnte, wusste ich schon Tage vorher, und ich bin auf Nadeln gesessen.

Vorab loslegen? Lieber nicht.

Auf die Freigabe warten und dann Haarteil knüpfen? Die Zeit wurde immer knapper. Es wurde bald klar: für eine klassische Anfertigung bleibt keine Zeit mehr.

Und so musste die Lösung wohl aus meinem eigenen Fundus an Perücken, Haarteilen und Bärten kommen – der ist relativ groß und macht vieles möglich.

Eine Echthaarperücke opfern

Die Lösung war bald klar. Ich muss eine meiner wirklich sehr schönen Echthaarperücken opfern.

Und opfern trifft es tatsächlich: Für den Look musste ich sie komplett zerlegen, daraus ein Haarteil bauen und es so frisieren, dass es dem Layout so nahe wie möglich kommt. Danach ist es keine Perücke mehr. Eine traurige Wahrheit.

Aber: ohne meinen Fundus hätte es den Look so nicht gegeben.

Perücke bereits zerlegt

Acht Stunden, Strähne für Strähne

Dreads haben es in sich, auch wenn man es der fertigen Frisur nicht ansieht.

Jede einzelne Strähne muss gedreht, fixiert und präpariert werden – ein langwieriger Prozess, bei dem Geduld und eine ruhige Hand mehr zählen als Tempo.

Am Haarteil allein habe ich 8 Stunden gearbeitet, dazu kam das Vorbereiten und Einrichten für die anderen Sujets.

Am Set: Buzz Cut, dann das Haarteil

Um 6 Uhr früh war ich am Set.

Das Model hatte ohnehin kurzes Haar, also habe ich ihr zuerst einen Buzz Cut geschnitten und dann das Haarteil angebracht. Ihr Make-up stand fest und war schnell geschminkt.

Die beiden anderen Sujets waren im Vergleich ein Kinderspiel: bei den Männern abdecken und die Frisur richten, das Kind mit Motiv-Haargummis ausstatten, die elegante Dame nach dem vorgegebenen Layout schminken und frisieren.

Shooting Sujets Fußball-Fans Foto: Andrea Zeilinger

Das Ergebnis

Alle waren zufrieden. Ab November 2018 hingen die drei Sujets in ganz Wien auf Plakaten, City Lights und erschienen in Printmedien (Presseaussendung der Wiener Linien).

Was für ein Kraftakt hinter dieser einen Frisur steckte, hat am Set wohl niemand geahnt. Genau so soll es auch sein! Es sieht einfach aus, es wirkt leicht – aber in Wahrheit stecken Improvisationstalent, die Arbeit eines Profis und Handwerk dahinter. Ich kann’s. Ich will’s. Herausforderung angenommen.

Genau für solche Lösungen hat mich Arnd über Jahre gebucht: Er wusste, dass er sich auf mich verlassen kann und dass Kunde und Agentur bekommen, was sie erwarten. Mit meinem „OK. Ich mache das möglich.“ hat sich unser gegenseitiges Vertrauen noch einmal bestätigt.

Mit Arnd Ötting habe ich immer wieder Plakat-Sujets für die Wiener Linien umgesetzt – alle wesentlich einfacher als dieses.

Aber am häufigsten denke ich an genau diesen Auftrag zurück. Gerade weil er eine Herausforderung war.

Key Takeaways

  • Looks verlässlich umsetzen heißt für mich: Wenn das Layout einen Look verlangt, finde ich einen Weg dorthin – mit meinem Fundus und meinem Handwerk.
  • Mein Fundus ist mein Puffer. Perücken, Haarteile und Bärte aus dem eigenen Bestand machen Lösungen möglich, für die es sonst kein Material gäbe.
  • Gutes Handwerk ist die Basis. Ein gut gemachtes Haarteil erkennt auf dem Plakat niemand als Haarteil.
  • Die Lösung beginnt schon beim Zuhören. Schon beim Briefing gehe ich die möglichen Wege durch und weiß früh, wie viel Vorlauf ein Look braucht.

Projekt-Crew / Credits

Kunde: Wiener Linien

Agentur: Wien Nord

Fotografie: Arnd Ötting

Make-up & Hair: Andrea Zeilinger

Dein Layout verlangt einen besonderen Look?

Gib mir das Layout und sag mir, was du brauchst – auch wenn sich der Look nicht in fünf Minuten am Set machen lässt. Für Perücken, Haarteile und aufwendige Frisuren habe ich meinen Fundus und das Handwerk. Und je früher ich das Layout habe, desto entspannter wird es für alle. Frag mich einfach.

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